Sprinten: Übungen und Spiele für den Sportunterricht (Leichtathletik in der Schule)
Autoren: Henrik Lühr, Ramy Azrak & Lukas Metzech
Illustrationen von: Lukas Metzech & Henrik Lühr
Schnelles Laufen gehört zu den wichtigsten Bewegungsformen von Kindern und Jugendlichen und ist ein fester Bestandteil des Leichtathletikunterrichts – von der Grundschule bis zur Oberstufe. Sprinten motiviert viele Lernende besonders, weil es direkt erlebbar ist: Wer schneller läuft, ist früher im Ziel. Gleichzeitig lassen sich dabei wichtige Fähigkeiten wie Schnelligkeit, Reaktion und Koordination gezielt fördern. Die Spiel- und Übungssammlung ist in Zusammenarbeit mit erfahrenen Trainerinnen und -trainern entstanden. Alle Inhalte wurden in der Praxis erprobt.
Du erhältst das Material als PDF- und PowerPoint-Datei (DIN A4).
Die Sammlung ist als Baukastensystem aufgebaut. Das bedeutet: Je nach Lernstand, Altersgruppe und Lernziel können passende Übungen und Spiele ausgewählt und sinnvoll miteinander kombiniert werden. So lässt sich der Unterricht flexibel, abwechslungsreich und passend zur Lerngruppe gestalten.
Im Mittelpunkt steht, dass die Lernenden kurze Strecken schnell und gezielt bewältigen. Dabei lernen sie wichtige Technikmerkmale des Sprintens kennen, zum Beispiel eine gute Körperhaltung, aktive Armarbeit, einen kraftvollen Abdruck und schnelle Reaktionen auf Startsignale. Auch unterschiedliche Startpositionen können dabei geübt werden. Die meisten der Übungen und Spiele benötigen nur wenig Material und können sowohl in der Sporthalle als auch draußen auf dem Sportplatz durchgeführt werden.
Erwärmung und Vorbereitung
Die folgenden Mobilisierungs- und Aktivierungsübungen, Übungen des Sprint-ABC sowie moderate Laufspiele eignen sich zur Erwärmung und gezielten Vorbereitung auf das Sprinten. Dabei werden insbesondere Muskulatur, Gelenke und das Herz-Kreislauf-System aktiviert und auf die Belastung vorbereitet.
Mobilisierung und Aktivierung
Fussgelenk kreisen, Füsse wippen, Gehen auf Zehenspitzen, Bein schwingen, Bein schwingen zur Seite, Hüftöffner, Knie heben, Sprung-Kniebeugen, Rumpfrotation, Arme schwingen, Arme kreisen, Schultern kreisen, Ausfallschritt (kurz), Ausfallschritt (lang), Hüfte kreisen, Gehen auf Fersen, Glute Bridge (Beckenheben), Plank
Sprint-ABC
Kniehebelauf, Anfersen, Fußgelenksarbeit, Skippings, Hopserlauf, Steigerungslauf
Moderate Lauf- und Fangspiele (Aufwärmspiele)
Übungen und Spiele zum Sprinten
Je nach ausgewähltem Schwerpunkt können dabei Übungen und Spielen zu Reaktion, Hochstart, Tiefstart, Beschleunigung oder Sprinttechnik in den Mittelpunkt gestellt werden. So lässt sich der Sprint schrittweise und altersangemessen vermitteln.
Reaktionsspiele
Übungen und Spiele zum Hochstart
Übungen und Spiele zum Tiefstart
Startpositionen testen, Mein Startbein, Startblock einstellen, Tiefstart demonstrieren, Wer steht richtig?, Tiefstart auf Kommando, Start-Check zu zweit
Übungen und Spiele zur Beschleunigung
Die ersten drei Schritte, Schieflauf, Markierungs-Sprint, Kontrastübung: Beschleunigung, Partnerziehen, Kasten ziehen
Übungen und Spiele zum Sprintschritt
Kontrast: Sprinttechnik, Fehlersuche, Leiser Sprint, Sprint mit Technikaufgabe, Lauf-ABC für den Sprint, Steigerungslauf, Sprint mit Armstopp
Anwendung und Festigung: Sprint- und Staffelspiele
Am Ende einer Stunde bzw. Einheit bieten sich Spielformen und Wettbewerbe an, in denen die Lernenden ihre erarbeiteten Fertigkeiten anwenden können. Sprintspiele, Staffeln und kurze Wettkämpfe ermöglichen es, Schnelligkeit zu erproben, Erfahrungen im fairen Wettkampf zu sammeln und den Umgang mit Erfolg und Misserfolg zu entwickeln.
Technikkarten
Die Technikkarten können zur Visualisierung von wichtigen Technikmerkmalen im Sportunterricht vielseitig eingesetzt werden, zum Beispiel in Partner- und Gruppenarbeiten und direkt bei der Einführung des Sprints.
Feedbackkarten & Bewertungsbögen
Die Feedbackkarten können genutzt werden, um den Lernenden eine Rückmeldung zur Sprinttechnik zu geben. Die Karten können auch als Beobachtungshilfe dienen, wenn sich die Lernenden beispielsweise gegenseitig Feedback geben.
Die Bewertungsbögen wurden so gestaltet, dass neben der Schnelligkeit auch die Sprinttechnik und der individuelle Fortschritt mit in die Gesamtbewertung einbezogen werden.
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Vermittlung des Sprints
Bei der Vermittlung des Sprints ist es erfahrungsgemäß sinnvoll, schrittweise, altersangemessen und mit klaren Schwerpunkten vorzugehen.
Allgemeine Hinweise
- Vom Einfachen zum Komplexen unterrichten: zunächst spielerische Lauf- und Reaktionsformen, danach gezielte Technikschwerpunkte
- Pro Unterrichtsphase nur wenige Technikmerkmale in den Mittelpunkt stellen
- Den Sprint in Teilbereiche gliedern: Reaktion, Start, Beschleunigung und Lauftechnik
- Viele kurze, intensive Belastungen mit ausreichend langen Pausen einplanen
- Technikübungen immer wieder mit echten kurzen Sprints verknüpfen
- Wichtige Bewegungsmerkmale gemeinsam mit den Lernenden erarbeiten und sichtbar festhalten, zum Beispiel auf einem Plakat oder an der Tafel.
Sicherheit
- Ausreichend aufwärmen: Kreislauf aktivieren, Körper mobilisieren, sprintnah vorbereiten
- Klare Laufwege, Start- und Zielzonen sowie genügend Auslaufraum festlegen
- Gegenverkehr und unübersichtliche Organisationsformen vermeiden
- Auf passende Sportkleidung und das Ablegen von Schmuck achten
- Anspruchsvolle Sprintformen erst einsetzen, wenn grundlegende Bewegungen sicher beherrscht werden
Differenzierung
Da Lernende unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen, ist eine gezielte Differenzierung bei der Vermittlung des Sprints sinnvoll.
Differenzierung kann erfolgen durch:
- Laufstrecken verkürzen oder verlängern
- Startpositionen variieren
- Pausenlängen an die Belastung der Lerngruppe anpassen
- Übungen zum Sprint-ABC vereinfacht und erweitert anbieten
- zunächst nur wenige Technikmerkmale gleichzeitig thematisieren
- gezielte Technikbeobachtung einbauen
- Partnerunterstützung und gegenseitiges Feedback ermöglichen
- fortgeschrittene Aspekte wie Abdruck, Kniehub, Armführung oder Frequenz ergänzend thematisieren
Leistungsbewertung im schulischen Kontext
Im Schulsport sollte Sprinten nicht ausschließlich über die gemessene Zeit bewertet werden. Ebenso bedeutsam sind Lernfortschritt, Bewegungsqualität, Anstrengungsbereitschaft und die Fähigkeit, Rückmeldungen umzusetzen. Eine mehrperspektivische Bewertung wird den unterschiedlichen Voraussetzungen der Lernenden deutlich gerechter. Ein möglicher Bewertungsbogen mit den Bereichen Leistung, individueller Fortschritt und Technikausführung ist weiter hinten zu finden.
